| Die „Schrattensteiner“ können wahrscheinlich als
unmittelbare Nachfolger der einstigen Landrichter von Höflein
angesehen werden. Schriftliche Überlieferungen über
Schrattenstein sind erst ab dem 11. Jahrhundert vorhanden.
Bei der Burg Höflein handelt es sich um einen kleinen
„vesten“ Hof, der um 850 n. Chr., unter Graf Aribo, erbaut
worden sein dürfte. Diese Burg war einst Sitz des ersten
"Landesgerichtes" in unserer Umgebung, welches aber
später (1036) an Neunkirchen und schließlich (1192)
an Wiener Neustadt übertragen worden ist. Als im Jahr
1042 die Ungarn von Markgraf Gottfried von Wels-Lambach, bei
Pitten besiegt wurden, erbaute man vorerst in geschützterer
Lage, nämlich am Schrattenstein, eine neue Burg. Die
ursprüngliche Burg Höflein wurde erst um 1100 wieder
aufgebaut.
1072 am 17. Juli, wird „Uzo de Scrotistein“
als Zeuge auf einer Urkunde genannt, die von der Einweihung
der Klosterkirche von Michaelbeuern in Salzburg, durch den
Patriachren Syrus von Aquilea, berichtet. Dieser Uzo ist der
erstgenannte Schrattensteiner. Er dürfte
ein Ministeriale (Ritter) des Salzburger Klosters gewesen
sein und sich damals dort als Gast aufgehalten haben. Es könnte
eventuell auch eine Verwandtschaft zu einer kirchlichen Persönlichkeit
angenommen werden.
1182 „Chalhoch de Stratensteine“, Zeuge auf
einer Urkunde, in welcher Markgraf Ottokar IV.
von Steiermark, die von seinem Vater gewidmeten Freiheiten
des Stiftes Seckau bestätigt.
1186 am 17. August, wurde zu Georgenberg
an der Enns, zwischen Ottokar von Steiermark
und Herzog Leopold V. von Österreich, ein Erbvertrag
abgeschlossen. Leopold erhielt die gesamte Steiermark samt
den nördlich vom Semmering und Hartberg gelegenen Allodialgütern.
Die Grenze zwischen Österreich und Steiermark bildeten
damals die Piesting. Schrattenstein gehörte damals also
zur Steiermark.
1196 „Ortolfus de Shratenstain“ wird ebenfalls
in einer Urkunde des Grafen Ottokar als Zeuge genannt.
1207 am 22. Februar, wurden der Pfarrer von
Neunkirchen und der Pfarrer von Fischau, sowie ein „magister
A. de polane plebani“, vom Papst als Schiedsrichter eingesetzt,
und zwar in einem Streit über Zehente in der Pfarre Pütten,
zwischen dem Stifte Reichersberg und „Ortolf de Scratenstain“.
Die Zehenten wurden dem Stift Reichersberg zugesprochen.
1222 am 26. März, wird von Herzog Leopold
VII. zu Aspang ein Streit zwischen dem Kloster Vormbach und
Gloggnitz und der Erben des Grafen Ortof von Schrattenstein,
wegen 24 Liegenschaften und einer Mühle (24 areis et
uno moledino), dahin entscheiden, dass noch der Enkel des
erwähnten Schrattensteiners im Besitze dieser Realitäten
bleibt, diese aber nach dem Tode Ortolfs an Vormbach als Eigentum
kommen sollen. Als Zeugen auf der hierüber ausgestellten
Urkunde sind angeführt: Rudolfus de Sirnikch (Siedin),
Wolfingus de Losenhaim und Albero de Dunchestaine (Dunkelstein).
Ortolph von Schratenstain hatte nach seinem Ableben drei minderjährige
Kinder hinterlassen.
1233 hatte Richter von Gutenstein, ein Ministeriale
Friedrichs des Streitbaren, Besitzungen in Würflach.
Dessen Witwe „Ellwys“ (eine Schrattenstein?) lebte bis 1263
in Würflach und trat dann in das Nonnenkloster zu Seckau
ein.
1244 hatte Herzog Friedrich von Babenberg,
der Streitbare, von Straelze (Strelzhof) aus, wo er sich kurze
Zeit aufgehalten hatte, die Burg Schrattenstein, wie auch
die Vesten Wufingstein, Rothengrub, Würflach, Höflein
und Stolzenwörth, besucht. Zwei Jahre Später fiel
der Herzog in der Schlacht an der Leitha, gegen die Ungarn.
Er war der letzte Babenberger.
1247 „Chaloch de Schratenstayn“ (II) stiftete
eine mit Renten von Gütern in Neunkirchen, für im
Kloster
Admont. Chalhoch II. hatte noch mehrere Söhne. Einer
von denen (Chalhoch III.) schenkte ebenfalls dem Kloster Admont
das Gut Baumgarten bei Pitten (Petersbaumgarten), für
die Aufnahme seiner beiden Töchter „Irmgard“ und „Gertrud“.
Das dreieckige Siegel der Urkunde zeigt einen Lilie und hat
die Umschrift: „S. Chalochi de Schratenstein“. Diese Urkunde
wurde in Würflach ausgestellt. Ein weiterer jüngerer
Sohn Chalhochs II. namens „Ortolf (II.)“, war in Wien begütert
und schien sich auch dauernd in dieser Stadt aufgehalten zu
haben.
1249 schenkte ein „Calochus de Wirvelach“
(von Schrattenstein) dem Spital am Semering eine Gült
von sechs Urnen Bergrecht zu Würflach für ein ewies
Licht. Hierbei wird auch ein „Bertholdus offiziales de Wirvelach"
erwähnt.
1254 fiel Schrattenstein mit dem ganzen Bezirk
Neunkirchen endgültig an Österreich.
1259 taucht wieder ein „Chalhoch de Wirvelach“
(III.) auf, der auf Schrattenstein saß. Die Tatsache,
dass dieser Chalhoch in Schrattenstein hauste, sich aber nach
Würflach nannte, lässt darauf schließen, das
der Name Schrattenstein beim Landesherrn oder beim Klerus
derart in Misskredit gelangt war, dass die Schrattensteiner
ihren Stammnamen nicht mehr tragen wollten oder durften. Vielleicht
übersiedete das Geschlecht der Schrattensteiner kurz
darauf überhaupt zu dem bequemer gelegenen Würflach,
und auf die Burg Schrattenstein wurde ein Pfleger gesetzt.
1275 verkaufte Ortolph von Schratenstein
und seine Gattin Dietmudis, ein Wiener Haus das sie kurz vorher
geerbt hatten.
1278 wird wieder in „Chalhoch nobilis vir
(edler Mann) de Schratenstain (III.) in einer Urkunde genannt.
Er hinterließ nach seinem Tode zwei Töchter mit
dem Namen „Mathilde“ und „Agnes“. In einer weiteren Urkunde
werden noch zwei weitere Töchter mit dem Namen „Margarete“
und „Reichgart“ genannt. Mathilde und Agnes dürften beim
Tode Chalhochs noch ledig (minderjährig) gewesen sein,
während „Margarete“ und „Reichgart“ bereits verheiratet
waren. Eine der beiden Letztgenannten dürfte einen „Haunfelder“
geheiratet haben. Im Jahre 1278 hatte Otkar
Prezmysl, der Böhmenkönig, der auch Herzog von Österreich
war, in der Schlacht bei Dürnkrut sein Leben verloren
und „Friedrich von Hohenzollern“ erhielt von „Friedrich von
Habsburg“, dem Sieger der Schlacht, dafür, dass er ihm
beigestanden hatte die Burgen Rothengrub, Höflein, Schrattenstein
und Stolzenwörth geschenkt. Die Bewohner von Schrattenstein
waren daher künftige Lehensträger deutscher Fürsten.
So hatten die „Hauenfelder“, die auf Schrattenstein saßen,
nicht zu freiem Eigen, sondern nur als Lehen der Burggrafen
von Nürnberg.
1349 war ein heftiges Erdbeben wobei auch
Schäden auf der Burg Schrattenstein entstanden.
Als Lehensträger der „Burggrafen von Nürnberg“ scheinen
in kurzer Zeit und Reihenfolge mehrere Geschlechter auf. Zunächst
die „Haunsfelder“.
1364 verkaufte „Jörg (Georg) von Hauenfeld“
die „halbe veste Schrattenstain“ an „Peter von Ebersdorf“
und ein Jahr darauf überließ sein Bruder „Stephan
von Hauenfeld“ dem gleichen Käufer auch die andere Hälfte.
Diese Käufe erfolgten mit Zustimmung ihres Lehenherrn
„Graf Friedrich von Nürnberg“. „Peter von Ebersdorf“
der die Burg Schrattenstein nun „samt allem Zugehör“
besaß, war oberster Kämmerer in Österreich.
1369 kaufte „Peter von Ebersdorf“ von „Berthold
von Pergau“ das Gut Stolzenwörth und empfing dazu von
„Kadolt von Eckartsau“, dem Verweser der brandenburgischen
Lehensgüter, die Belehnung. Die Ebersdorfer ließen
Schrattenstein anfangs durch Burggrafen verwalten. Zwischen
1356 und 1388 werden ein „Niclas“ und ein „Chawncz“ (Kauntz)
als Burggrafen von Schrattenstein genannt. Unter den Ebersdorfern
wurde die Burg bedeutend vergrößert.
1416 wies „Albrecht von Eberesdorf“ seinem
Bruder „Hans“ die Einkünfte aus verschiedenen Gülten
an, damit er mit diesem Geld „den obern alten stokch in dem
obern Haws hoher mawern sol“
1426 am Montag nach Judica, belehnte in Wien,
Friedrich, Markgraf zu Brandenburg, des heiligen römischen
Reiches Erzkämmerer und Burggraf zu Nürnberg, dem
„Ulrich von Stubenbeg“ mit der Veste „Höflein“, samt
allen dazu gehörigen Gütern und Zehenten in der
Einöde, so wie dieses schon alles dessen väterliches
Erbe gewesen war. Somit war Höflein bereits vom Schrattensteiner
Besitz abgetreten.
1429 überlies „Hans von Ebersdorf“ dem
„Siegmund von Ebersdorf“ „seinen teil ander vesst Schratenstain
als die mit der rinkchmawr und purkchstal umabfangen ist.“
Er hielt sich allerdings ein Öffnungsrecht vor, das die
Burggrafen, die Sigmund dort einzusetzen gedenke, zu respektieren
hätten. Das heißt, er durfte die Burg jederzeit
unbehindert betreten.
1440 erwarb „Hans von Ebersdorf“ von „Albrecht
von Ebersdorf“, mit Einwilligung seines Lehensherrn, Markgraf
„Friedrich von Brandenburg“, dessen „sechsten tail an dem
haws Schrottenstein als daz mit der Mawer unt der und mit
dem hausperg und mit der clausen vor dem Haus umabfangen ist“.
Im selben Jahrüberließ ihm „Siegmund von Ebersdorf"
seinen ganzen Anteil an Herrschaft und Burg. Von dieser Zeit
an hat „Hans von Ebersdorf“ die Burg Schrattenstein häufig
selbst bewohnt. So legte er Wert auf einen eigenen Kaplan
für seine Burgkapelle, der dort die Messe lesen konnte
und die Beichte des Herrschaftsinhabers und dessen Angehörigen
entgegennehmen konnte.
1463 hatte der „Pfleger zu Schratenstain“
mit dem Burggrafen der kaiserlichen Herrschaft Stixenstein
einen Streit.
1482 wird die Burg Schratenstein vom Ungarkönig
„Mathias Corvinus“ belagert und niedergebrannt.
1500 (zirka) haben die „Wallseer“ die Herrschaft
Schrattenstein von „Benedikt dem Ebersdorfer“ empfangen.
„Reinprecht V. von Wallsee“ übergab allen Besitz seiner
einzigen Erbtochter „Barbara“, die ihrem Gatten „Siegmund
von Schaumberg“ die halbe Burg Schrattenstein schenkte. Siegmund
war Erbmarschall von Österreich und Steiermark.
1530 verkauften die Ebersdorfer endgültig
Schrattenstein, mit den anderen burggräflich-Nürnbergischen
Lehensherrschaften Rothengrub, Neusiedl a. Steinfeld und Stolzenwörth,
an „Sebald Pögl“.
1542 war Pögl jedoch genötigt,
diese Güter dem „Erasmus von Scherfenberg“ zu verkaufen.
1556 verkaufen auch „Erasmus und Ulrich von
Schärffenberg“ die Herrschaft Schrattenstein, zugleich
mit Rothengrub, an den Freiherrn „Johann Baptist Hoyos“. Dieser
Verkauf war jedoch Anlass zu einem sich länger hinziehenden
Prozess, da er ohne Zustimmung des Markgrafen von Brandenburg,
erfolgt war. Die Burg Schrattenstein war damals bereits Ruine.
Sie wird im selben Jahr bereits als „ode veste“ bezeichnet.
Als Zufluchtsort für die Bewohner von Puchberg, St. Johann,
Sieding und Flatz wird Stixenstein bestimmt, da der „Schraitenstein
abgeschafft“ sei.
1590 am 15. September, fand ein heftiges
Erdbeben statt, bei welchem ein Stück Außenmauer
ausbrach und eine Innenmauer einstützte.
1663 wurden, anlässlich der drohenden
Türkengefahr, der Bevölkerung ihre „Zuflucht-Stätt“
bekantgegeben. Schrattenstein, Höflein, Würflach
und Stolzenwörth waren nicht mehr darunter; sie waren
damals schon in einem derart schlechten Zustand das ein Schutz
vor Feinden nicht mehr gegeben war.
1683 soll aber dennoch, einer mündlichen
Überlieferung zufolge, die Burg Schrattenstein von den
Türken zerstört worden sein. Ein Teil der Bevölkerung
hatte sich wahrscheinlich dorthin geflüchtet und in der
„Ruine“ notdürftig verschanzt.
Seit dieser Zeit blieb die einst stattliche Burg nun endgültig
dem Verfall ausgesetzt.
1937 wurde die „Ruine Schrattenstein“ mit
allem umliegenden Grundbesitz, gemeinsam mit dem Schloss Stixenstein
an die Stadt Wien verkauft, die sie derzeit noch besitzt. |